November 10th, 2012

Любимые цвета/ Гречанка

AUGUST VON PLATEN

Dem Grafen August von Platen hat die böse Fee des Märchens zwei Angebinde in die Wiege gelegt: die Liebe zum eigenen Geschlecht und das Verlangen nach dichterischer Größe. Das waren schlimme Gaben, denn beide Bedürfnisse waren unerfüllbar. Die hohe Intelligenz des Mannes, die Lauterkeit und Stärke seines Charakters gaben ihm das Recht, ungewöhnliche Leistungen von sich selber und leidenschaftliche Erwiderung seiner Liebe zu erwarten. Beides blieb ihm versagt, denn es war sein Fluch, seine Kräfte am unrechten Ort einsetzen und seine Liebe denen schenken zu müssen, die sie nicht erwidern konnten.
Die Liebe zur Poesie war Platen eingeboren, und sie hat sich früh geäußert. Was ihn faszinierte, waren die Konfigurationen von Worten und Sätzen, die Gleichschritt der Rhythmen, der Wohllaut des Klanges. Die Dichtung war für ihn eine Welt der Reinheit, der Ordnung und des Maßes weit mehr als eine Schöpfung der Phantasie und Darstellung innerer Gesichte. Sie war die wirkliche Welt, wie sie nach seinem Wunsche hätte sein sollen und sein müssen, nicht eine zweite und völlig andere Welt...So wenigstens scheint es, wenn der Rückschluss von seiner eigenen Produktion auf seine Rezeption fremder Dichtung erlaubt ist und wenn man bedenkt, wie gern er laut vorlas, wie sehr er durch die Formen, wie wenig durch die Gehalte seiner Vorbilder ließ, und wie schnell er bereit war, Kunst und Schönheit schlankweg gleichzusetzen.
Любимые цвета/ Гречанка

Хочешь, я тебя короную?

AUGUST  VON  PLATEN


Freund aus deinen kalten Zügen
Spricht nicht Liebe, spricht nicht Groll,
Doch, Adrast, nur wenig soll,
 Wenig soll, Adrast, mir g'n
ügen.
Ach, ich fordre keines Bundes,
keiner Freundschaft ew'ges Band,
Ach, nur einen Druck der Hand,
Eine Silbe nur des Mundes;
Dass ich nicht umsonst gerungen,
Dass ich nicht umsonst betrachtet,
Nicht umsonst dich hoch geachtet,
Nicht umsonst dich hoch besungen;
Dass ich nicht umsonst mich m
ühte,
Dass ich nicht umsonst mir fehlte,
Dass ich nicht umsonst mich qu
älte,

Dass ich nicht umsonst entglühte;
Dass ich nicht umsonst gesprochen,
Dass ich nicht vergebens strebte,
Dass ich nich vergebens lebte,
Und mein Herz umsonst gebrochen;
Sei's, dass dann uns das Gespenst
Eines ew'gen Abschied trenne,
Wenn ich dich nur, Guter, kenne,
Wenn du mich nur, Guter, kennst.
Sollen Tage, Monde, Wochen,
Fr
ühlinge mit Melodien
Eh' ich dich begr
üsste, fliehen,
Fliehen, eh' ich dich gesprochen?
Sag mir, wie ich's nun beginne?
Alles will ich dulden willig,
Alles, was da gut und billig,
Wenn ich deine Gunst gewinne!
Sieh, ich hab' nen guten Degen,
Jung zwar, doch bewahrt mit Ehre,
Dass dich keiner ja versehre,
Soll ich ihn für dich bewegen?
Auch ein Saitenspiel gegeben
Hat mir einst der Gott der Töne;
Willst du, dass ich dich bekröne?
Möchtest du unsterblich leben?
Willst du, dass ich, wenn ich singe,
Meinen Ruhm auf dich vererbe?
Willst du, dass ich für dich sterbe,
In der Hand die scharfe Klinge?
Vielen, die du angezogen,
Vielen scheinst du zu gefallen,
Und du liebst, geliebt von allen,
Mir nur bist du nicht gewogen.
Gegengunst belebt mich nicht,
Hoffnung leiht mir keine Kräfte,
Wenn ich meine Blicke hefte

Schüchtern auf dein Angesicht.
Holder, als die Ros' in Kränzen,
Lächelst du, der wohlgesinnte,
Duft'ger, als die Hyazinthe
Sehe ich deine Locken glänzen.


Adrast - war Platens Deckname für einen Würzburger Mitstudenten, den Juristen Eduard Schmidtlein (1798-1875). Mehrere Helden der griechischen Sage führen den Namen Adrastos, jedoch scheint Platen eher an Adrastea, einen Beinamen der Rachegöttin Nemesis gedacht zu haben. Der Deckname würde dann etwa "der Unentrinnbare" oder "der immer Wirksame" bedeuten.