Irina Maxway (irina_max_usa) wrote,
Irina Maxway
irina_max_usa

Все имеет отношение к вечности...

                                                                                                                            

                                                                                                 KASIMIR  EDSCHMIDT


ÜBER  DEN  DICHTERISCHEN  EXPRESSIONISMUS

... Es kamen die Künstler der neuen Bewegung. Sie gaben nicht mehr die leichte Erregung. Sie gaben nicht mehr die nackte Tatsache. Ihnen war der Moment, die Sekunde der impressionistischen Schöpfung nur ein taubes Korn in der mahlenden Zeit. Sie waren nicht mehr unterworfen den Ideen, Nöten und persönlichen Tragödien...
Ihnen entfaltete das Gefühl sich maßlos.
Sie sahen nicht.
Sie schauten.
Sie photographieren nicht.
Sie hatten Gesichte...
Statt der Rakete schufen sie die dauernde Erregung.
...Statt dem Moment die Wirkung in die Zeit.. Sie wiesen nicht die glänzende Parade eines Zirkus. Sie wollten das Erlebnis, das anhält.
Vor allem gab es gegen das Atomische, Verstückte der Impressionisten nun ein großes, umspannendes Weltgefühl.
In ihm stand die Erde, das Dasein als eine große Vision. Es gab Gefühle darin und Menschen. Sie sollten erfasst werden im Kern und im Ursprünglichen.
Die große Musik eines Dichters sind seine Menschen. Sie werden ihm nur groß, wenn ihre Umgebung groß ist. Nicht das heroische Format, das führte nur zum Dekorativen, nein, - groß in dem Sinne, dass ihr Dasein, ihr Erleben teil hat an dem großen Dasein des Himmels und des Bodens, dass ihr Herz, verschwistert allem Geschehen, schlägt im gleichen Rhythmus wie die Welt.
Dafür bedurfte es einer tatsächlich neuen Gestaltung der künstlerischen Welt. Ein neues Weltbild musste geschaffen werden, das nicht mehr teil hatte an jenem nur erfahrungsgemäß zu erfassenden der Naturalisten, nicht mehr teil hatte an jenem zerstückelten Raum, den die Impression gab, das vielmehr einfach sein musste, eigentlich, und darum schön.
Die Erde ist eine riesige Landschaft, die Gott uns gab. Es muss nach ihr so gesehen werden, dass sie unvebildet zu uns kommt. Niemand zweifelt, dass das Echte nicht sein kann, was uns als äußere Realität erscheint.
Die Realität muss von uns geschaffen werden. Der Sinn des Gegenstandes muss erwühlt sein. Begnügt darf sich nicht werden mit der geglaubten, gewähnten, notierten Tatsache, es muss das Bild der Welt rein und unverfälscht gespiegelt werden. Das aber ist nur in uns selbst.
So wird der ganze Raum des expressionistischen Künstlers Vision. Er sieht nicht, er schaut. Er schildert nicht, er erlebt. Er gibt nicht wieder, er gestaltet. Er nimmt nicht, er sucht. Nun gibt es nicht mehr die Kette der Tatsachen: Fabriken, Häuser, Krankheit, Huren, Geschrei und Hunger. Nun gibt es ihre Vision...
Die Tatsachen haben Bedeutung nur so weit, als, durch sie hindurchgreifend, die Hand des Künstlers nach dem fasst, was hinter ihnen steht.
Er sieht das Menschliche in den Huren, das Göttliche in den Fabriken. Er wirkt die einzelne Erscheinung in das Große ein, das die Welt ausmacht.
Es gibt das tiefere Bild des Gegenstandes, die Landschaft seiner Kunst ist die große paradiesische, die Gott ursprünglich schuf, die herrlicher ist, bunter und unendlicher als jene, die unsere Blicke nur in empirischer Blindheit wahrzunehmen vermögen, die zu schildern kein Reiz wäre, in der das Tiefe, Eigentliche und im Geiste Wunderbare zu suchen ist, aber sekündlich voll von neuen Reizen und Offenbarungen wird.
Alles bekommt Beziehung zur Ewigkeit.
Der Kranke ist nicht nur der Krüppel, der leidet. Er wird die Krankheit selbst, das Leid der  ganzen Kreatur scheint aus seinem Leib und bringt das Mitleid herab von dem Schöpfer.
Ein Haus ist nicht mehr Gegenstand, nicht mehr nur Stein, nur Anblick, nur ein Viereck mit Attributen des Schön- oder Häßlichseins. Es steigt darüber hinaus. Es wird so lange gesucht in seinem eigentlichen Wesen, bis seine tiefere Form sich ergibt, bis das Haus aufsteht, das befreit ist von dem dumpfen Zwang der falschen Wirklichkeit, das  bis zum letzten Winkel gesondert ist und gesiebt auf den Ausdruck, der auch auf Kosten seiner Ähnlichkeit den letzten Charakter herausbringt, bis es  schwebt oder einstürzt, sich reckt oder friert, bis endlich alles erfüllt ist, das an Möglichkeiten im ihm schläft...
Eine Hure ist nicht mehr ein Gegenstand, behängt und bemalt mit den Dekorationen ihres Handwerkes. Sie wird ohne Parfüme, ohne Farben, ohne Tasche, ohne wiegende Schenkel erscheinen. Aber ihr eigentliches Wesen muss aus ihr herauskommen, dass in der Einfachheit der Form doch alles gesprengt wird von den Lastern, der Liebe, der Gemeinheit und der Tragödie, die ihr Herz und ihr Handwerk ausmachen. Denn die Wirklichkeit ihres menschlichens Daseins ist ohne Belang. Ihr Hut, ihr Gang, ihre Lippen sind Surrogate. Ihr eigentliches Wesen ist damit nicht erschöpft.
Die Welt ist da. Es wäre sinnlos, sie zu wiederholen.
Sie im letzten Zucken, im eigentlichen Kern aufzusuchen und neu zu schaffen, das ist die größte Aufgabe der Kunst.
Tags: expressionismus
Subscribe

  • Вспоминая лето или мои фотомодели

    Нэнси - отличная фотомодель! Весьма договороспособна и понимает творческие задачи - поверни голову вправо (повернет), посмотри на меня (посмотрит),…

  • Осенние листья настолько суровы...

    Осенние растения в своем позднем убранстве напоминают рыцарские доспехи. Все воины этого прекрасного войска сложат свои нежные головки в…

  • Porträts

    На фоне картины Казимира Малевича В кафе г.Тюмени На фото: художница Динара Апасова

  • Post a new comment

    Error

    default userpic

    Your reply will be screened

    Your IP address will be recorded 

    When you submit the form an invisible reCAPTCHA check will be performed.
    You must follow the Privacy Policy and Google Terms of use.
  • 0 comments